PR:Sicherheitsrisiko Morsleben

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Medieninformation
30.09.2011


Sicherheitsrisiko Morsleben

Informationsveranstaltung und Ausstellungseröffnung

Magdeburg Am kommenden Dienstag, den 4. Oktober findet um 18 Uhr in der Universitätsbibliothek Magdeburg eine Informationsveranstaltung mit dem Titel "Sicherheitsrisiko Morsleben" statt. Außerdem wird dort eine Ausstellung zur Geschichte der umstrittenen Atommüllkippe eröffnet, die dann bis zum 31. Oktober besichtigt werden kann. Die VeranstalterInnen, Greenkids e.V. und das Anti-Atom-Bündnis, wollen für die von einer Atommülllagerung in Morsleben ausgehenden Gefahren sensibilisieren.

Morsleben ist ein maroder Salzstock in Sachsen-Anhalt nahe der früheren innerdeutschen Grenze. Seit dem Beginn der 1970er Jahre wird er für die Beseitigung von radiaktiven Abfällen genutzt. Ein Großteil des niedrig- und mittelradioaktiven Atommülls der westdeutschen Atomanlagen wurde bis 1998 hier eingelagert. Etwa 37.000 Kubikmeter radioaktive Abfälle befinden sich heute zusammen mit über 6.000 Strahlenquellen und weiteren als "zwischengelagert" definierten hochradioaktiven Stoffen in dem alten Kali- und Steinsalzbergwerk, das um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert errichtet wurde.

Seit etwa zehn Jahren vertritt auch der Betreiber der Anlage, das Bundesamt für Strahlenschutz, die Auffassung, dass Morsleben zur Endlagerung von Atommüll ungeeignet ist. Löserfälle, der Einsturz beträchtlicher Deckenteile der unterirdischen Hohlräume, ereigneten sich seitdem mehrfach und waren Anlass für sogenannte "Gefahrenabwehrmaßnahmen". "Akute Einsturzgefahr" war die Diagnose und Begründung für die Einfüllung von vielen hunderttausend Kubikmetern Salzbetons in das Bergwerk. Ein bisher weniger im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stehendes Sicherheitsproblem ist der Zufluss von Wässern an über 20 Punkten der Schachtanlage. Sie könnten auch kurzfristig ein "Absaufen" des Salzbergwerks und eine Freisetzung der radioaktiven Stoffe bewirken.

Diese Gefahren waren schon vor der Erteilung der Betriebsgenehmigung bekannt und wurden von den DDR-Behörden ignoriert. Im Einklang damit führte die Bundesregierung nach 1990 diese Öffentlichkeitsstrategie fort und verbreitete Flugblätter mit der Lüge "Morsleben ist sicher". Erst mit der rot-grünen Regierungsübernahme änderte sich die offizielle Sichtweise und es wurde nun vom BfS selbst auf die Sicherheitsprobleme hingewiesen. Allerdings versucht auch der grüne BfS-Präsident Wolfram König bis heute Morsleben als Endlager durchzusetzen. Nach Meinung des BfS soll der Atommüll in der einstürzenden "Tropfsteinhöhle" auf Ewigkeit verbleiben. Ein Nachweis der Langzeitsicherheit für den Zeitraum, für den der Atommüll strahlen wird, kann nicht erbracht werden. Stattdessen versucht sich das BfS mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen und komplexen Modellen, die viele unsichere Faktoren beinhalten und weitgehend aus Annahmen und Hochrechnungen bestehen.

"Sicherheit ist eine Illusion", sagt Falk Beyer von Greenkids e.V. "Eine sichere Endlagerung von Stoffen, die noch über mehr als eine Million Jahre strahlen werden, gibt es nicht. Morsleben ist ein Paradebeispiel für die gescheiterte Entsorgung von Atommüll."

Organisationen aus dem Morsleben-Netzwerk, einem Zusammenschluss von Umweltgruppen und Einzelpersonen, wollen in den nächsten Monaten massiv auf die Gefahren des Atommülllagers in Morsleben aufmerksam machen. Greenkids e.V. beteiligt sich daran unter anderem mit einer Neuauflage seiner Ausstellung zur "Geschichte des Endlagers Morsleben" und steuert Fachwissen aus seinem Forschungsprojekt zur Atomanlage bei. Das Anti-Atom-Bündnis Magdeburg veranstaltet zusammen mit anderen Organisationen in den nächsten Wochen noch mehrere Aktionen und Demonstrationen, um die Besiegelung Morslebens als Atommüllendlager zu verhindern.


Für die Redaktion:
Es stehen Ihnen als AnsprechpartnerInnen Falk Beyer von Greenkids e.V. und Denise Kürschner vom Anti-Atom-Bündnis Magdeburg zur Verfügung. Zu Rückfragen und zwecks O-Ton erreichen Sie Falk Beyer telefonisch unter 0177/7073531 und per E-Mail an presseATgreenkids.de[1] sowie Denise Kürschner telefonisch unter 0178/5833282 und per E-Mail an anti_atom_magdeburg AT gmx.de[1].


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